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"tool_response": {
"stdout": "--- Seite 10 ---\nTherapeutin und Patientin. Erst als begonnen wurde, Probleme nicht \nmehr als feststehende Eigenschaften einzelner Personen wahrzuneh-\nmen, sondern immer mehr als Phänomene sozialer Systemstruktu-\nren und ihren wechselseitigen Auswirkungen, rückten nach und nach \nauch die sozialen Systeme der Patienten ins Rampenlicht der Therapie. \nZu Anfang etablierte sich diese Betrachtungsweise besonders im Set-\nting der Familientherapie und erst mit der Zeit auch in der Arbeit mit \nEinzelpersonen. \nAls feste Größen der Entwicklungsgeschichte der systemischen Thera-\npie sind folgende Beteiligte und Modelle ganz besonders zu erwähnen \n(ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Dabei sei vorausgeschickt, dass \nzwischen den einzelnen Gruppen und Akteuren ein reger Austausch \nstattfand und stattfindet, sodass sie sich (in Teilen) oft eng aufeinander \nbeziehen bzw. zu einigen Ansätzen diverse ähnliche Vorgehensweisen \nund Interventionen bestehen. Daher lassen sich einzelne Personen \nauch oft mehreren Schulen und Ansätzen zuordnen. \n•\t Kompetenzaktivierende Hypnotherapie nach Milton Erickson, \nder in besonderem Maße Berater und Pionier für viele seiner Kol-\nlegen und deren Konzepte ist \/ war\n•\t Systemische Familientherapie mit mehreren Generationen \nnach dem Mailänder Modell von der Gruppe um Mara Selvini Pa-\nlazzoli, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin und Giuliana Prata, u.a. \nauf Basis der Kommunikationstheorien von Paul Watzlawick\n•\t Die Heidelberger Gruppe um Helm Stierlin, Gunthard Weber, \nGunthe\n\n--- Seite 11 ---\nzugehörige Intervention stellen wir dir im Modul Aufstellung und \nEntscheidungen vor)\n•\t Narrativer Ansatz entwickelt von Michel Foucault, weiterentwi-\nckelt von Michael White und David Epston - der auf die Macht \nder Sprache beim Erschaffen unserer Wirklichkeitskonstruktio-\nnen fokussiert\n•\t Aufstellungsarbeit im Sinne von Familienaufstellung nach Hel-\nlinger, bzw. mit mehr narrativ-konstruktivistischem Ansatz z.B. \nnach Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd (in aller Ausführ-\nlichkeit im Modul Aufstellung und Entscheidungen)\n•\t Schule von Milwaukee von Insoo Kim Berg und Steve de Sha-\nzer mit ihrer lösungsfokussierten Kurzzeittherapie, auf die wir im \nBooklet Probleme und Lösungen noch eingehen\nDen system- und erkenntnistheoretischen Bezugsrahmen dieser \nSchulen und Konzepte bilden vor allem der Radikale Konstruktivismus \nvon Ernst Glasersfeld und Heinz von Foerster, sowie die biologische Er-\nkenntnistheorie mit den Konzepten der Autopoiese und der Selbstor-\nganisation selbstreferentieller Systeme, von Humberto Maturana und \nFrancisco Varela. Aber auch z.B. die gesellschaftliche Systemtheorie \nnach Niklas Luhmann, die Sprachphilosophie von Ludwig Wittgenstein \nund diverse Kommunikationsmodelle (z.B. nach Paul Watzlawick) for-\nmen und formten Kern und Ausprägungen des systemischen Ansat-\nzes. Seit dem Jahr 2008 ist systemische Therapie als wissenschaftliches \nVerfahren anerkannt und bis heute entwickeln sich aus ihren Konzep-\nten Methoden und Interventionen für systemis\n\n--- Seite 12 ---\nBeziehungen untereinander als gemeinsames Ganzes betrachtet \nwerden (können).« \nDie genannten »geordneten Beziehungen untereinander« deuten \nschon an, dass nicht nur die Teile an sich das System zusammenhalten \nund definieren, sondern ebenso ihre Wechselwirkungen untereinan-\nder. Wir sind mehr als die Summe unserer Teile. Wir verändern uns wie \njedes andere System dadurch, dass sich unsere Komponenten (z.B. un-\nsere Zellen) und die zwischen ihnen herrschenden Beziehungen ver-\nändern. Dadurch, dass unsere ursprünglichen Systemkomponenten \nnicht mehr dieselben sind, ist auch unser System nicht mehr dasselbe. \nDie Wechselwirkungen (Beziehungen) zwischen diesen Komponenten \n(Teilen) laufen nicht zufällig ab, sondern folgen bestimmten Regeln.\nUm diese Regeln für unsere Arbeit als Coach zieldienlich und näher zu \nbetrachten, gilt es, auf die für uns im Coaching relevanten Systeme zu \nblicken. Unseren folgenden Überblick lehnen wir dafür unter anderem \nan die Definitionen von Gunther Schmidt (Schmidt, Einführung in die \nhypnosystemische Therapie und Beratung, 2005 \/ 2018, S. 51 ff.) und \nMaturana und Varela (Maturana & Varela, 1984, 2018), an.\nSYSTEME\nLEBENDE SYSTEME\nerschaffen sich selbst\nselbstreferentiell\nSTRUKTURELLE SYSTEME\nwerden erschaffen\nfremdreferentiell\nz.B. Maschinen, Schienennetzwerk\nLEBENDE BIOLOGISCHE\nSYSTEME\nabgeschlossene Einheit\nmit eigenen Zielen\nfremdreferentiell\nz.B. Individuum Mensch\nals biologische Einheit\nLEBENDE SOZIALE\nSYSTEME\nfunktionelle Einheiten mit\nge\n\n--- Seite 13 ---\nLebende Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur auf sich \nselbst bezogen sind (Referenz = Beziehung). Sie können also von ih-\nrer Umwelt weder bestimmt noch kontrolliert werden und erschaffen \nsich aus sich selbst heraus. Dagegen werden strukturelle Systeme von \naußen erschaffen und ausschließlich von der Umwelt bestimmt. Ein \nComputer macht (zumindest in der Theorie) auf Knopfdruck was er tun \nsoll – der eigene Partner eher nicht.\nREGELN LEBENDER SYSTEME\nPrinzipiell geht man davon aus, dass die Regeln von lebenden Syste-\nmen darauf ausgerichtet sind, das jeweilige System zu befähigen, sich \nselbst aus eigener Kraft zu reproduzieren und zu erhalten. Da das Sys-\ntem dabei auf Umweltfaktoren trifft, die sich ständig verändern, müs-\nsen seine Reproduktions- und Erhaltungsregeln im Gleichgewicht \nsein: Zwischen Erhaltung dessen, was für die Reproduktion notwen-\ndig ist (Homöostase) und Veränderung dessen, was als Antwort auf die \nUmweltfaktoren nötig ist (Morphogenese). Oder wie Gunter Schmidt \nes ausdrückt: »Jedes System zeigt Tendenzen, Muster stabil zu halten \n(Homöostase), da dies Orientierung und offensichtlich auch Sicherheit \ngibt. Jedes System braucht aber auch in einer sich ständig ändernden \nUmwelt Musteränderungen (Morphogenese), da es so nicht überleben \nkann.« (Schmidt, Einführung in die hypnosystemische Therapie und \nBeratung, 2005 \/ 2018) S.55). Oder wie er es an anderer Stelle auf den \nPunkt bringt: »Wer einigermaßen der \/ die Gleiche bleiben will, muss \ns\n\n--- Seite 14 ---\n3. \nPRINZIPIEN SYSTEMISCHER ARBEIT\nBasierend auf dem Wissen, dass lebende Systeme – also auch unsere \nKlientinnen - immer nach Homöostase und Morphogenese streben, \ngibt es für die Arbeit mit ihnen einige Prinzipien zu beachten. Diese \nsind an vielen Stellen dicht miteinander verwoben und stehen somit \nSeite an Seite, als Gestaltungshelfer unserer Arbeit als Coach. \nAlles, was ein Mensch tut, hat\nAuswirkungen.\nAuf welche Art der Beobachter\nDinge beobachtet, definiert\nseine Wirklichkeit.\nAlles was ein Mensch \ntut, tut er aus \n(mindestens) einem\nguten Grund. \nMenschen handeln und \nentscheiden autonom.\nMenschen sind nicht. \nMenschen verhalten sich.\nUTILISATION\nAufmerksam die \nRessourcen des Systems \naufspüren & nutzen\nKONTEXTU-\nALISIERUNG\nVerhalten & Bewertungen \nim Zusammenhang\nmit Umweltfaktoren \nbeobachten\nAUTOPOIESE\nBedachte Angebote & \nEinladungen zur\nautonomen\nSystementwicklung\nAUSWIRKUNGS-\nBEWUSSTSEIN\nBewusstsein für \nAus- und Wechselwirkungen\nzwischen Koproduktion\n& Heimatsystem\nKYBERNETIK\n2. ORDNUNG\nDynamiken zwischen\nSystemkomponenten\nberücksichtigen\nSYSTEMISCHE\nPRINZIPIEN\nDÜRFEN WIR VORSTELLEN\n14\n\n--- Seite 15 ---\nKONTEXTUALISIERUNG\nMenschen sind nicht. Menschen verhalten sich. \nMenschliches Verhalten und Erleben findet immer im Zusammenhang \nmit, oder in Bezugnahme auf, Umweltfaktoren statt. Jedes Verhalten, \njede Aktion oder Reaktion – ob im Innen oder Außen, beobachtbar oder \nnicht – ist damit immer eine Antwort, ein Feedback auf die Umwelt. Ob \nwir etwas als Kompetenz, also als kreativen Lösungsversuch ansehen \nund wertschätzen oder als Versagen, das wir verurteilen, hängt vom \nKontext ab, in dem wir dieses Verhalten betrachten. Lebewesen kön-\nnen nicht unabhängig von ihrem Kontext (ihren Bezugssystemen) be-\ngriffen werden.\nSo wird auch Unterschiedsbildung möglich: Ein Mensch verhält sich \nnicht statisch oder gleich. Abhängig vom Kontext verhält und erlebt \ner sich unterschiedlich. In der einen Situation mutig, in der anderen \nvorsichtig. In der Arbeit selbstbewusst, im Freundeskreis schüchtern. \nAuch Kompetenzerleben ist also kontextabhängig, d.h. in einer Situa-\ntion erleben wir vollen Zugriff auf unsere Kompetenzen, in einer ande-\nren Situation scheint der Zugriff unmöglich. Wie Klaus Mücke schreibt: \n»Man kann sogar behaupten, der gleiche Mensch ist in unterschiedli-\nchen Situationen jeweils ein anderer.« (Mücke, 1998, 2009) S. 474). Ord-\nnen wir ein Problemerleben in das Gesamtgeschehen ein, können wir \ndamit u.a. auf problemfreie Zeiten, Kompetenzerleben und Muster des \nGelingens fokussieren.\nDabei zielt jede unserer Interventionen im Coachingprozess auf Unter-\nschiedsbildung\n\n--- Seite 16 ---\nBewertungen und Bedeutungen sind ebenfalls keine objektiv festste-\nhenden »Dinge« – sie werden immer individuell im jeweiligen Kontext \nvom jeweilig beteiligten System gegeben. So wird an jedes Phänomen \n(Gefühl, Problemerleben, Kompetenzerleben usw.) sofort bewusst oder \nunbewusst eine Bedeutung geknüpft, die zum Teil aus vorhanden \nMustern und Erfahrungen resultieren. Ändert sich diese Bedeutung \noder Bewertung, ändert sich auch das Problem.\nIm systemischen Coaching lassen wir also alle Phänomene so be-\nschreiben und mit Kontext versehen, damit sichtbar werden kann, für \nwelche Ziele und Situationen ein bestimmtes Verhalten als Kompetenz \nverstanden werden könnte oder welche Bedeutung oder Bewertung \nfür die Klientin zieldienlich(er) sein könnte. \nAUTOPOIESE\nMenschen handeln und entscheiden autonom.\nAbgeleitet aus dem Altgriechischen (autos = selbst, poiein = schaffen) \nsteht Autopoiese für den schon erwähnten Prozess der Selbsterschaf-\nfung und -erhaltung eines lebenden Systems. Lebewesen und soziale \nSysteme werden als sich-selbst-produzierende und -organisierende \nautonome Systeme begriffen. Geprägt wurde der Begriff vor allem von \nMaturana und Varela (Maturana & Varela, 1984, 2018) die (maximal ver-\nkürzt) referieren, ... [TRUNCATED-0bb71ade29c13440]",
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